Ecuador (Teil 1): Zu Fuß durch Cuenca

In EcuadorBeitrag von Ariane Bille (Kulinarische Momentaufnahmen). Vor genau einer Woche bin ich von meiner ersten Reise für Travel on Toast heimgekehrt. Manchmal denke ich immer noch, dass alles nur ein Traum war. Es ging nämlich für fünf Tage nach Cuenca. In Ecuador! Nordwestliches Südamerika, exakt auf dem Äquator gelegen, der dem kleinsten südamerikanischen Land seinen Namen gab.

Cuenca in EcuadorSüdamerika, ein mir völlig unbekannter Kontinent. Ein Traum wurde wahr! Und jetzt, wo meine Eindrücke von Ecuador noch frisch sind, möchte ich euch von meinem ersten Tag in Cuenca erzählen.

Ich in EcuadorGerädert vom Jetlag nehme ich im Hotelrestaurant ein schnelles Frühstück zu mir und dann geht das straffe Tagesprogramm los: Eddy (unser Guide) führt die Weitgereisten zu Fuß durch die kleine Andenstadt Cuenca in Ecuador, deren Altstadt seit 1999 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht.

In Cuenca in EcuadorWir beginnen an den Ufern des Tomebamba. Der wilde Gebirgsfluss übertritt regelmäßig seine sattgrünen, mit saftigem Gras bewachsenen Ufer. 1950 waren seine zerstörerischen Fluten besonders schlimm: 12 Brücken der Stadt wurden dabei mitgerissen. Puente Roto, die „Kaputte Brücke“ erinnert bis heute an die unberechenbare Kraft der Natur.

In EcuadorSchallendes Kinderlachen verrät die große Pause auf dem Schulhof auf der anderen Uferseite des Tomebamba. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und spähe über die bunt bemalte Mauer des Schulhofs. Kinder in ordentlichen Schuluniformen spielen in der Mittagssonne. Ein kleines strohblondes Mädchen mit indigenen Gesichtszügen fällt mir ins Auge.

Eddy klärt mich über die kulturelle Vielfalt von Ecuador und deren Verschmelzung auf: Wo Ecuador früher nur eine einheitliche, nämlich die mestizische Identität (Nachkommen von Indígenas und Weißen) anerkannte, hat die Indigenenbewegung der 1920er (Movimiento Indígena) einen Vielvölkerstaat hervorgebracht, der die Rechte der indigenen und afroecuadorianischen Volksgruppen anerkennt.

Vielfalt in EcuadorIch lese mich ein bisschen in das Thema ein, stoße aber immer wieder auf unterschiedliche Zahlen. Das liegt daran, dass es keine eindeutige Definition der verschiedenen Volksgruppen gibt. Laut Eddy sind 40 % der Bevölkerung von Ecuador Indígenas (indigene Völker Ecuadors), 40 % Mestizen (Nachfahren von Indígenas und Weißen), 10 % Weiße (oftmals Nachfahren der spanischen Kolonialisten) und 5 % Afroecuadorianer (häufig Nachkommen ehemaliger Sklaven).

Innerhalb der indigenen Bevölkerung gibt es etwa 20 unterschiedliche anerkannte Nationalitäten (auch hier schwanken die Zahlen) mit eigener Sprache, Küche und Tracht, deren größte Gruppe die im Hochland lebenden Quichua sind.

Kirche in EcuadorCuenca und seine Gotteshäuser
Jetzt beginnt ein Wettlauf zu zahlreichen Kathedralen Cuencas: Von Todos Santos, San Blas, über El Sagrario, San Alfonso bis zum bedeutendsten Gotteshaus der cuenacanischen Katholiken Catedral de la Inmaculada Concepción …

Kirche in EcuadorDer (liebe) Gott konnte mich noch nie begeistern. Dennoch kann ich die stille besinnliche Atmosphäre in der Kirche genießen. Kerzenschein. Ruhe. Der Duft von Weihrauch. Sonnenstrahlen, die durch die bunten mundgeblasenen Kirchenfenster fallen. Kitsch. Prunk. Goldverzierte Altare. Madonnenstatuen.

In EcuadorEcuadorianer sind gläubige und spirituelle Menschen. Während der Kolonialzeit brachten die Spanier den Katholizismus nach Ecuador, heute sind etwa 92 % der Bevölkerung Anhänger der römisch-katholischen Kirche. Auch der Großteil der Indígenas und Afroecuadorianer lebt den katholischen Glauben, wobei der alte indigene bzw. afrikanische Glauben und der Katholizismus individuell miteinander vermischt werden.

In EcuadorZurück im Sonnenlicht. Vor der Catedral de la Inmaculada Concepción (Neue Kathedrale) reihen sich niedliche Verkaufsstände aneinander. Alte Mütterchen bieten Heiligenbildchen, Kerzen, Rosenkränze und Bibeln feil. Ein älterer Herr im feinsten Zwirn lässt sich die Schuhe polieren. Ich streife ohne Gruppe um den Kirchplatz. Genieße einen Moment der Stille. Allein, ohne Reisegruppe. Ich schließe die Augen. Atme. Spüre. Komme an.

Nachdem ich mich ganz und gar dem Augenblick hingegeben habe, schließe ich mich wieder der Gruppe an. Ein kurzer Stopp am Rathaus. Paul Granda, der abscheidende Bürgermeister, heißt uns auf seinem beneidenswerten Balkon willkommen. Wir machen ein Beweisfoto.

Naranjillas in EcuadorBack to the 70´s
Hunger macht sich breit. Max fährt uns unter Eddys Kommando ins „Todos Santos“. Ich trinke Naranjilla-Saft, der vom Ober in weißen Handschuhen aus einer Glaskaraffe in mein Glas geschenkt wird. Ohlàlà!

Die Frucht der Naranjilla (Lulo) zählt zu den Nachtschattengewächsen und wird in den Anden angebaut. Ihr Saft schmeckt zart süß nach fruchtiger Tomate. Himmlisch!

Krabbencocktail in EcuadorDer erste Gang unseres Menüs versetzt mich in die 70er Jahre zurück. Wobei das eigentlich gar nicht geht, denn da war ich noch nicht auf dieser Welt. Egal. Jedenfalls gibt es einen Krabbencocktail! Jetzt fehlen nur noch Schinkenröllchen und Boney M.

Essen in EcuadorAber – der erste Krabbencocktail meines Lebens schmeckt. Und auch die Gänge danach sprechen für den Koch: Das Rinderfilet ist auf den Punkt gebracht und das Gemüse hat Biss.

Dessert in EcuadorSogar das Tiramisu verschmähe ich nicht.

Restaurant in EcuadorDer Blick aus dem Panoramafenster auf das andine Cuenca ist phantastisch. Für meinen Geschmack ist hier jedoch alles zu dick aufgetragen. Ich brauche kein poliertes Silber und blütenweiße Tischdecken. Das ist mir zu viel Chi-Chi.

Mich interessiert viel eher, wie die alltägliche Küche der Ecuadorianer aussieht. Was kaufen die Einheimischen auf den lokalen Märkten? Was isst der Schuhputzer nach getaner Arbeit an der Straßenecke? Ehrliches Streetfood. Das will ich! Aber ich werde noch auf meine Kosten kommen, so viel sei verraten.

Blick auf Cuenca in EcuadorDer Himmel über Cuenca
Mit vollen Bäuchen geht´s hinauf zum Mirador de Turi. Cuenca liegt uns zu Füßen, prächtige Wolken ziehen über die Stadt, die Anden sind in grünblaues Licht getaucht. Einen Moment innehalten. Tief einatmen. Eintauchen. Die Welt bewundern. Das Erlebte aufnehmen. Ohne durch den Sucher der Kamera zu blicken und das perfekte Motiv festzuhalten.

Ecuador - Mercado de las Flores in CuencaEin Blumenmeer
Zurück in die Innenstadt Cuencas zum traditionellen Blumenmarkt Mercado de las Flores. Umgeben von in allen Farben leuchtenden Blütenbergen, verkaufen die Blumenverkäuferinnen kunstvolle Gestecke und Sträuße.

Blumen in EcuadorIch inhaliere die von Rosen- und Orchideenduft getränkte Bergluft.

Markt in EcuadorIm Foodieparadies
Voller Vorfreude geht es zum nächsten Ziel: Mercado 9 de Octubre. Im Erdgeschoss der belebten Markthalle türmen sich Bananen, Baumtomaten, Papayas, Ananas, Avocados, Maiskolben, unzählige Kartoffelsorten, bergeweise Quinoa, Bohnen und andere (für mich) nicht identifizierbare Lebensmittel. Ein Traum für jeden Foodie!

Im oberen Teil der Markthalle reiht sich eine Fressbude an die nächste. Hier werden lokale Spezialitäten frisch gekocht und dann direkt verzehrt. Streetfood vom Feinsten! Noch vom Mittagessen gesättigt, schlendere ich durch die schmalen Gänge des Markts und wünsche mir, noch viel länger in Ecuador, ja genau hier in Cuenca, bleiben zu dürfen.

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Hinweis
Nach Ecuador hat mich das Tourismusamt der Stadt Cuenca eingeladen. Vielen Dank dafür!

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Meine Leidenschaft Kochen habe ich zum Beruf gemacht: Als freie Foodfotografin setze ich Essen in Szene und schreibe als Foodbloggerin auf Kulinarische Momentaufnahmen darüber, gestalte als Grafikdesignerin Kochbücher und habe mir als Autorin den Traum meines ersten eigenen Kochbuchs erfüllt. Das Reisen von Berlin aus in ferne Länder ist meine zweite Passion.

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2 Kommentare

  • Antworten
    Céline
    12. November 2016 um 03:44

    Den Mercado 9 de Octubre fand ich auch total toll! Oben gibts noch eine riesige Kräuterauswahl von den Blumen für die pinke Limonade bis zu den einschläfernden Trompetenblumen wird da alles verkauft.

    Und bei dem Hotel stimme ich dir 100% zu

  • Antworten
    Marcus Mersinger
    28. November 2014 um 03:16

    Nicht umsonst halte ich Cuenca für die schönste Stadt Ecuadors. Gutes Essen, nette Leute und zahlreiche Sehenswürdigkeiten in und um die Stadt herum.

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