Kambodscha: 4 Tage Zeitreise

KambodschaBeitrag von Michael Baumann. Ruinen, Götter und Dschungel erwarteten uns im Gebiet Angkor in Kambodscha. Wir waren dort vier Tage lang unterwegs und erkundeten mit einem Guide die Gegend.

Eine Propellermaschine der Cambodia Angkor Air bringt uns (meine Frau Birgit und mich) von Saigon aus nach Siem Reap in Kambodscha. Bevor wir auf unseren Fahrer und unseren Guide treffen, beschäftigen sich 12 Zöllner mit uns und unseren knapp 60 Mitankömmlingen. Geschickte Arbeitsteilung läßt jeden der Uniformierten eine andere Tätigkeit an unseren Pässen, den Visa und den Gebühren verrichten, bevor uns mit staatstragender Miene unsere Pässe wieder ausgehändigt wurden.

Verkehr in KambodschaFahrer und Guide bringen uns flugs zum Hotel. Auf dem Weg dorthin lassen uns die an der Limousine links und rechts vorbeiknatternden Motorroller verstehen, warum Autos in Kambodscha nur mit Fahrer vermietet werden.

Schon jetzt fällt auf, wie jung die Bevölkerung in Kambodscha ist. Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer, die nahezu 20 Prozent ihrer eigenen Bevölkerung umbrachten und der bis Ende der 90er des letzten Jahrhunderts andauernde Bürgerkrieg führten dazu, dass das Durchschnittsalter in Kambodscha bei 21 Jahren liegt.

Hotel Bopha Angkor in KambodschaSchnell die Klamotten in unserem Hotel Bopha Angkor gewechselt (das Hotel gefällt uns vor allem durch seine schöne Gartenanlage), bevor es endlich nach Angkor Wat geht!
 Die Tempelanlage im größte Sakralkomplex der Welt Angkor wurde in nur 37 Jahren errichtet – eine Leistung, die den Kölner Dombaumeistern die Tränen in die Augen treiben dürfte…

Angkor Wat in KambodschaUmgeben war die Tempelanlage in Kambodscha einst von Holzhäusern und hölzernen Palästen, die längst Geschichte sind – nur den Göttern war Stein als Baumaterial vorbehalten.

Angkor Wat in KambodschaDie knapp tausendjährigen Halbreliefs sind zum Greifen nahe, was leider viele Touristen wörtlich nehmen. Daher ist wirkt diese hinduistische Sagengestalt so „poliert“.

Angkor Wat in KambodschaEin Blick vom Hauptgebäude auf eines der Portale läßt die Größenverhältnisse erkennen. Alle Bauteile wurden aus Sandstein ohne Mörtel zusammengesetzt – mit Hilfe von bis zu 60.000 Elefanten. Nach nur einem Tag verlassen wir Angkor Wat und kommen uns vor wie Kunstbanausen – um alles zu entdecken, was die Anlage bietet, hätten wir noch Wochen in Kambodscha bleiben müssen!

Die Spezialitätenplatte im Restaurant Angkor Palm zu ordern, mag vielleicht nicht die ausgefallenste Lösung sein, was die kulinarischen Angebote in Kambodscha betrifft – lecker war es allemal. Anscheinend läßt sich in ganz Siem Reap ausgezeichnet essen, denn so ziemlich jedes Lokal ist „Recommended by TripAdvisor“…

In KambodschaAuf dem Weg zum Tempel Banteay Srei, der 23 Kilometer nordöstlich von Angkor Wat liegt, konnten wir einen kambodschanischen Lebendviehtransport bewundern. Auch wenn es sich hierbei um ein beliebtes Postkartenmotiv aus Kambodscha handelt, glaubt man es erst, wenn man selbst Zeuge wird…

Banteay Srei in KambodschaBanteay Srei – 967 n. Chr. eingeweiht – ist für uns der schönste Tempel im Angkor-Komplex.

KambodschaDie (ebenfalls) hinduistische Anlage beeindruckt durch den Detailreichtum ihrer Ornamente. Zu Recht die „Zitadelle der Schönheit“, wie eine Übersetzung von Banteay Srei lautet.

KambodschaDie Morgensonne taucht den roten Sandstein in ein warmes Licht. Vereinzelte Vogelrufe erinnern daran, dass wir uns trotz Trockenzeit in einem Dschungel befinden. Aber unser Ausflug soll uns zu noch spektakuläreren Zielen bringen.

Tempel von Beng Mealea in KambodschaUnser Guide weist den Fahrer an, noch tiefer in den Urwald vorzudringen, bis wir den Tempel von Beng Mealea erreichen. Hier wurde dem Dschungel noch kein Einhalt durch Menschenhand geboten. Mit mächtigem Wurzeln haben die Urwaldriesen das (wahrscheinlich, so genau weiß man es nicht…) 900 Jahre alte Bauwerk nach und nach zurückerobert.

Kambodscha
In beinahe vollkommener Stille lassen wir die Symbolik menschlicher Vergänglichkeit auf uns wirken. Keine der besuchten Anlagen beeindruckte uns in Kambodscha so wie Beng Mealea.

KambodschaEin paar wackelige Holzstege ermöglichen den wenigen Touristen, die hierher kommen, den Besuch der gesamten Anlage. 

Phnom Bakheng in KambodschaDen morgendlichen Anstieg auf Phnom Bakheng quittiere ich mit einem halben Herzinfarkt, während unser Guide lediglich einen kleinen Schluck aus seiner Wasserflasche nimmt. Ob es daran liegt, dass er ungefähr halb so schwer ist wie ich?

KambodschaDer Anstieg hat sich gelohnt und gibt einen unvergleichlichen Blick auf Angkor Wat frei. 
Der Haupttempel von Phnom Bakheng ist über 1.100 Jahre alt und wird aufwändig restauriert. Nicht nur Bürojobs können staubtrocken sein…

KambodschaWeiter geht es zu der rund 800 Jahre alten „großen Hauptstadt“ Angkor Thom. Sie war zu ihrer Zeit größer als alle europäischen Städte. Erstes Ziel ist die Tempelanlage von Bayon. Sie besticht durch ihre „Gesichter-Türme“, die Wesen der religiösen Welt des Buddhismus, sogenannte Bodhisattvas, darstellen. Ob diese beeindruckende Anlage wohl beim Set für Ridley Scotts „Prometheus“ Pate stand?

KambodschaEin touristisches „Muss“ in Kambodscha ist die Terrasse der Elefanten in Angkor Thom.

Tempel Ta Prohm in KambodschaLetztes Ziel ist der Tempel Ta Prohm, etwa 2 Kilometer nordöstlich von Angkor Wat. Auch diese ungefähr 800 Jahre alte Anlage wurde wortwörtlich in den Würgegriff der Natur genommen. Die überwuchernden Baumriesen sind nämlich Würgefeigen….

Tempel Ta Prohm in KambodschaDie Ruinen des vorwiegend hinduistischen Tempels dienten als Kulisse in dem Film „Lara Croft: Tomb Raider“ und werden schon deswegen in Kambodscha stark frequentiert.

Kinder in KambodschaNeben den Tempelanlagen werden aber auch sie in unserer Erinnerung bleiben: Die vielen Kinder in Kambodscha, die wir auf unserer Reise trafen, viele von ihnen leider als Bettler. Ob es dem hoch korrupten Land gelingt, ihnen eine Zukunft zu bieten?

Fazit
Nach leider nur vier Tagen bedanken wir uns bei Guide und Fahrer. Es war für uns ungewohnt, auf einer Reise geführt zu werden, statt das Reiseziel auf eigene Faust zu erkunden. In Kambodscha hätten wir allerdings im Alleingang nicht einmal die Hälfte dessen gesehen, was uns die Zwei zeigten. Sie haben unseren Blick auf die Welt ein wenig verändert. Kann man mehr von einer Reise erwarten?

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Anja Beckmann

Reiseblogger bei Travel on Toast
Erst war ich ein Jahr auf Weltreise, heute bin ich hauptberufliche Reisebloggerin. Am liebsten reise ich mit Freund Carsten und Hund Buddy, mit denen ich im Rheinland lebe. Ob nah oder fern, Städte, Strände, Roadtrips oder vegetarisches Essen - ich bringe euch im Blog zum Träumen, gebe praktische Hinweise und Geheimtipps. Über Instagram Stories nehme ich euch live mit.

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4 Kommentare

  • Antworten
    Matze
    25. September 2016 um 23:23

    Hallo, wie und wo kann ich einen Guide für Angkor Wat in Siem Reap mieten ? Wie teuer ist so eine persönlich Betreuung für 1-2Tage ? Gruß vom Matze

    • Antworten
      Anja Beckmann
      26. September 2016 um 08:14

      Hallo Matze,

      als ich vor zwei Jahren in Kambodscha war, haben wir zu zweit beim Hotel ein Tuk Tuk für die Tempel-Tagestour gebucht. Das kostet meist zwischen 15 und 20 US-Dollar.

      Viele Grüße
      Anja

  • Antworten
    shortmon
    27. August 2013 um 15:26

    liebe birgit, lieber michi, was für ein paar wunderbare tage habt ihr hier dargestellt. bin gespannt, „demnächst“ persönlich mehr zu erfahren…! liebe grüße aus hamburch!

  • Antworten
    Uwe
    12. Juli 2013 um 19:39

    Ausgezeichnet, lieber Michael.

    Der Tempel der Gesichter hat übrigens auch in „Sindbads gefährliche Abenteuer“ (the golden voyage of sindbad) Pate gestanden. Guckst Du hier bei 0:15: http://www.youtube.com/watch?v=YSgyoeqdMpo

    Insgesamt natürlich ein Hochgenuss für alte Harryhausen-Fans wie uns… :-)

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