Beitrag von Caren Schütt. Von nun an hat hier in Kanada die Natur Vorfahrt – das wird mir schon beim Landeanflug auf den Flughafen von Port Hardy (Vancouver Island) klar. Das Flugzeug geht runter und wir sind schon über der Landebahn, als auf einmal die Maschine wieder durchstartet. Alle Passagiere gucken sich verdutzt an, dann knackt es in der Leitung und der Pilot meldet sich über Funk: „Sorry Leute, wir mussten nochmal durchstarten, es waren ein paar Adler im Weg.”
Von Port Hardy geht es mit dem Wasserflugzeug in die Great Bear Lodge. Anders kommt man da auch nicht hin. Sie liegt circa 55 Flugkilometer von Vancouver Island entfernt. Das Wasserflugzeug vom Typ „Beaver“ ist zwar irre laut, aber ich bekomme beim Flug Kopfhörer.
Kann dabei auch gleich den Funkverkehr mithören, sehe Helikopter, die riesige Baumstämme unter sich hängen haben und habe mit dem einfach nur atemberaubenden Blick über Wasser, Wasser, Bäume, Bäume gleich die volle Dröhnung Natur.
Bei der Ankunft werden wir von der gesamten Lodge-Besatzung begrüßt. Es herrscht ein Gewusel und eine fröhliche Stimmung am Dock. Ich wundere mich ein bisschen, wieso sich die Gäste (die jetzt zurückfliegen) so superherzlich von den Lodge-Mitarbeitern verabschieden, das habe ich noch nicht erlebt. Bei meiner Abreise wird mir klar sein wieso. Das ist hier eine große Familie. Wenn du hier warst, gehörst du dazu.
Als erstes lernen wir von den Guides die Sicherheitsregeln. Vor der Haustür beginnt der „Great Bear Rainforest“, hier leben Grizzlies und die waren schließlich zuerst da. Daher muss man sich mit einigen Dingen vertraut machen.
Alleine in den Wald gehen, ist strengstens verboten. Raus in die Wildnis geht es nur in Begleitung eines Guides. Immer. Dann erklingt auch der typische „Hey Bear“-Ruf. Wenn man sich in den Wald begibt, sei der Weg auch noch so kurz, werden die (möglicherweise) anwesenden Bären durch das wiederholte Rufen „Hey Bear“ über unser Kommen in Kenntnis gesetzt. Bären mögen keine Überraschungen.
Für Leute (wie mich), die nicht genügend warme Sachen dabei haben, gibt es in der Lodge auch ein paar Klamotten für den Aufenthalt. Sobald die Sonne untergeht, wird es draußen nämlich ganz schön frisch. Für die lustigen Camouflage-Anzüge ist es aber (leider, leider) doch noch zu warm.
Und wer sich jetzt fragt: Was macht man denn in der Great Bear Lodge? Nur Bären beobachten? Ist das nicht langweilig? Nein! Ich bin ein Stadtkind und jegliche Tierbeobachtungen fand ich doof, aber Bären, Leute, Bären kann ich mir den ganzen Tag angucken! Mit einem der Busse fährt man von der Lodge aus zu den verschiedenen Aussichtsplattformen.
Manchmal sind sie geschlossen (mit Dach), manchmal offen, dann sitzt man sehr sehr dicht an den Bären dran. Die kümmern sich in der Regel aber nicht um einen. Erstens sind die meisten an diese Art „Beobachter“ gewöhnt und zweitens ist grad Lachs-Zeit und da gilt es innerhalb kürzester Zeit so viel wie möglich zu fressen, um über den Winter zu kommen. Die Bären haben also einfach ganz andere Probleme als Leute mit Kameras und Ferngläsern.
Die Guides erklären viel und manchmal macht man mit ihnen auch einen schönen Hike mitten durch den Regenwald. Hier laufen wir auf einem Bärenpfad, sehen sogenannte „Rub Trees“, an denen sich Bären schubbern, um ihr Revier zu markieren und allerlei Spuren.
Die Great Bear Lodge hat 9 Zimmer, es sind insgesamt nie mehr als 16 Gäste auf einmal dort. Jedes Zimmer hat hier einen Bärennamen, ich bin im „Koala Bär“ Zimmer. Alles ist total gemütlich eingerichtet. Im unteren Teil der Lodge ist eine riesiges offenes Wohnzimmer und gegessen wird an einer langen Tafel. Total schön und super für die Gruppendynamik.
Viele Gäste sind aus England, ein Paar kommt aus den USA. Ich komme mit allen schnell ins Gespräch. Es sind freundliche, offene und zugängliche Menschen. Wer Natur und Tiere mag, kann auch so schlecht nicht sein.
Die Zeit vergeht viel zu schnell, ich erlebe so viel, esse zu viel (und sehr gut!) und falle abends einfach nur todmüde in mein Bett. Als meine zwei Tage in der Great Bear Lodge um sind, bin ich wirklich traurig. Innerhalb kürzester Zeit habe ich hier viele tolle Menschen kennengelernt, circa 1.000 Bärenfotos gemacht, viel gelernt und hatte einfach nur Spaß.
Mit dem Wasserflugzeug geht es zurück nach Port Hardy und ich darf sogar Co-Pilot spielen. Ich sitze auf dem Flug vorne neben dem Piloten, nicke ihm ab und zu wichtig zu und grinse dabei wie ein Schulkind im Lolligeschäft.
Vor der Landung darf ich dann einen Knopf drücken, von dem ich leider vor Aufregung vergessen habe, was der überhaupt gemacht hat. Nach der natürlich außerordentlich guten Landung trage ich noch diverse Werte, wie z. B. den Kilometerstand, in das “Flugbuch” ein. Auf zu weiteren Abenteuern in Kanada!
Habt ihr schon mal Bären in Kanada gesehen?
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Zu der Reise hat mich Canusa Touristik eingeladen, der Reiseveranstalter für USA- und Kanada-Reisen. Vielen Dank dafür!
Anja Beckmann
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