Flevoland, Holland: Roadtrip an IJsselmeer und Markermeer

Fischerdorf Urk in Flevoland

(Enthält Werbung) Weites Land mit viel Natur und Wasser, das Fischerdorf Urk, moderne Architektur oder riesige Landschaftskunst – das alles findet ihr in Flevoland, nur 20 Minuten von Amsterdam entfernt. Die jüngste Provinz der Niederlande wurde dem Meer abgewonnen. Hier habe ich im September 2020 zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Highlights mit dem Auto entdeckt. Kommt mit mir auf Entdeckungsreise!

Kurzurlaub in Flevoland – wo früher Meer war

Roadtrip durch HollandWusstet ihr, dass die zwölfte Provinz der Niederlande erst seit 1986 besteht? Durch Deichbau wurde im 20. Jahrhundert Land dem Meer abgetrotzt, aus der Nordsee-Meeresbucht Zuiderzee wurde der Binnensee IJsselmeer.

Die drei Polder von Flevoland bilden das größte von Menschenhand geschaffene Landgebiet der Welt. Bei der Trockenlegung wurden übrigens 435 Schiffswracks gefunden. Die Region mit ihren über 400.000 Einwohnern liegt vier Meter unter dem Meeresspiegel, geschützt durch viele Kilometer Deich.

Bei einem Roadtrip könnt ihr die schönen Orte der Region am einfachsten erleben. Die größte Stadt Almere ist nur rund 30 Kilometer von Amsterdam entfernt und auch Utrecht ist nahe. Falls ihr keinen eigenen Wagen habt, könnt ihr den Zug hierhin nehmen und dann einen Mietwagen buchen.

Das Autofahren empfand ich als entspannt und sehr angenehm: zwischen den Orten war wenig Verkehr, auch in den Städten war die Verkehrsführung einfach und es gab genügend sowie oft kostenlose Parkplätze.

Ich würde übrigens gerne im Frühjahr wiederkommen. Denn Flevoland ist eines der größten Tulpengebiete Hollands. Das muss dann ein toller Anblick sein, wenn die Blumenbeete wie bunte Streifen nebeneinanderliegen.

1) Lelystad: Hauptstadt von Flevoland

1.1) Sehenswürdigkeit Batavialand – Museum, Werft und historisches Schiff

Historisches Schiff in Batavialand FlevolandBatavialand (Oostvaardersdijk 113, Lelystad) führt durch 7.000 Jahre niederländischer Geschichte. Es besteht aus drei Bereichen: Museum, Werft und dem Nachbau des “Batavia” Handelsschiffes von 1628.

Dort kletterte ich die steile Treppe hinauf, um mir den nachempfundenen Ostindienfahrer anzusehen. Ihr könnt über Decks und durch mehrere Räume laufen. So bekommt ihr einen Eindruck davon, wie hier früher gelebt und gearbeitet wurde. 100 Soldaten, 200 Seeleute und 40 Offiziere hatten Platz – nicht schlecht!

Boot BataviaIch warf etwa einen Blick in die Kapitänskajüte und auf die Kanonenrohre, unter denen die Kugeln in Körben lagen.

Wie Schiffe gebaut werden, könnt ihr in der Werft beobachten. Dort seht ihr die einzelnen Schritte, etwa die Arbeit des Kunstschnitzers, des Schmiedes oder des Segelmachers.

Museum BatavialandDas Museum mit seiner modernen Architektur beherbergt ein großes Schiffswrack. Der Heringsjäger ging 1710 unter. Außerdem erfahrt ihr hier Interessantes zum Deichbau und zur Landgewinnung. Auf der Website findet ihr mehr zur Geschichte von Batavialand.

1.2) Riesige Statue “Exposure”

Landschaftskunstwerk Exposure in FlevolandElf „Land Art“ Skulpturen befinden sich in den Niederlanden, allein neun davon auf den weiten Ebenen von Flevoland.

Eines der berühmtesten Landschaftskunstwerke ist Exposure, bei dem ein Mann am Markermeer hockt (deshalb auch “de hurkende man” genannt).

Der britische Bildhauer Antony Gormley stellte sein Werk 2010 fertig. Er hat die rund 26 Meter hohe und 60.000 Kilo schwere Skulptur aus 1.800 Metallstäben als Material geschaffen. Wenn der Mann aufstehen würde, wäre er übrigens über 100 Meter groß.

Ich stellte meinen Wagen auf dem kostenfreien Parkplatz ab und lief auf die Riesenskulptur zu. Je größer sie wurde, umso winziger kam ich mir dagegen vor. Und umso mehr löste sich die Form auf, denn ich sah immer mehr Details. “Exposure” heißt sie, weil sie den Elementen und der Natur ausgesetzt ist, die sich laufend verändert.

Von hier aus blickte ich über das Wasser zur “Batavia”, sah ein Segelboot vorbeiziehen und eine der Schwenkbrücken hochfahren. Wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid, klappt immer mal wieder eine auf, um ein Schiff passieren zu lassen.

2) Almere, die größte Stadt von Flevoland

2.1) Coole Architekturtour in “Ally” – die Sehenswürdigkeiten zu Fuß entdecken

Architektur Tour in AlmereDer Spitzname der Stadt Almere mit ihren über 200.000 Einwohnern ist “Ally”. Hier könnt ihr in den über 400 Shops im Zentrum einkaufen, Essen gehen oder die moderne Architektur bestaunen.

Weltberühmte Architekten wie Rem Koolhaas, Herman Hertzberger oder Liesbeth van der Pol haben die City geprägt. Damit ist sie eine der niederländischen Architekturstädte wie Rotterdam. Unter den „European New Towns“ ist sie sogar auf dem ersten Platz. Ganz mein Fall, denn Kunstgeschichte – mit Schwerpunkt Architektur – war im Studium mein Nebenfach.

In der Innenstadt liegt das Tourismusamt VVV Almere (De Diagonaal 199). Hier traf ich Paul Meekel, der mit mir zu Fuß auf eine zweistündige Tour durch Almere ging.

Wir starteten bei den Treppenstufen, auf denen bei warmem Wetter viele Einheimische sitzen. Direkt dahinter erhebt sich der Komplex “De Citadel”. Paul erklärte mir die Architektur: Unterwelt (= ein riesiger Parkplatz unter der Stadt), der ebenerdige Bereich mit Shops und Büros, darüber Wohnungen mit Gemeinschaftsbereichen. So ist das Zentrum zu jeder Tageszeit belebt.

Wave Almere FlevolandAls wir durch die Stadt spazierten, kamen wir an vielen ausgefallenen Gebäuden vorbei – etwa in Form einer übergroßen Kartoffel oder mit bunten Fenstern. Am Wasser kam für mich das absolute Highlight.

Moderne Architektur in AlmereDie sanften Wellen spiegelten sich in den Fenstern von “The Wave” des Architekten René van Zuuk. Atemberaubend!

Einen guten Blick auf die Stadt habt ihr von der Bücherei “De Nieuwe Bibliotheek” (Stadhuisplein 101), die mir Paul zeigte. Als wir hier eintraten – natürlich ebenfalls ein Beispiel für moderne Architektur -, kam ich mir vor wie in einer sehr schönen Buchhandlung: Die Bücher waren auf niedrigen Regalen ausgestellt, in einer Ecke gab es ein Café und von den Fenstern aus sah ich auf Almere.

2.2) Veganes Restaurant “The Black Cockatoo”

Veganes Restaurant AlmereIhr sucht nach einem schönen Platz fürs Mittagessen? Im Black Cockatoo (Bottelaarpassage 89, Almere) gibt es einen gemütlichen Innenraum mit breiter Glasfront sowie ein paar Plätze draußen für Sonnenstunden.

Das Restaurant gefiel mir sehr mit den bunten Farben und Pflanzen. Ich ließ mich am Fenster nieder und warf einen Blick in die umfangreiche Speisekarte. Was mich als Veganerin hier sehr freute: Alle Gerichte hatten rein pflanzliche Zutaten. Es gab etwa Chili-Cheese Burger, Bitterballen, Grünes Thai Curry, Carrot Cake oder traditionellen britischen High Tea. Yum!

2.3) Abendessen zum Sonnenuntergang im “Boathouse”

Boat House Restaurant AlmereRichtig schön am Wasser gelegen ist das Boathouse (Noorderplassenweg 150, Almere).

Die Wahl zwischen Innenraum und Terrasse fiel mir schwer – beides ist richtig toll. Reserviert euren Wunschplatz am besten vorher, denn das Lokal war an diesem Freitagabend sehr gut besucht.

Draußen könnt ihr bei schönem Wetter den Abend genießen und beobachten, wie die Sonne langsam über dem Wasser untergeht.

Boathouse Restaurant AlmereInnen gefiel mir die Einrichtung sehr. Auf dem Holzfussboden standen grüne und orangefarbene Samtmöbel, die farbigen Wände zierten Gemälde und Spiegel mit Goldelementen.

Beim netten Kellner bestellte ich eine vegane Poké Bowl mit Reis, Edamame Bohnen und Avocado. Auch ein paar vegetarische Gerichte findet ihr auf der Karte.

2.4) Stylishes Bed & Breakfast mit veganem Frühstück

Stylishes Bed and Breakfast in AlmereVon Almere-Zentrum aus war es mit dem Auto nicht mal 15 Minuten bis zu meinem B&B.

Life contains beautiful things (Auguste Comteweg 89, Almere) hieß meine Designunterkunft mit den herzlichen Gastgeber Shirley und Barry. Ein Wortspiel, denn die drei Tiny Houses von 2017 sind Containern nachempfunden. Sie stehen mitten in einem Weingarten. Versetzt und weit genug voneinander entfernt, dass die Gäste ihre Ruhe haben.

Morgens zog ich von meinem Bett aus die Rolladen hoch und blickte genau auf die Weinreben. Der “Urban Vineyard” umfasst die Traubensorten De Johanniter, Souvignier Gris und Cabernet Cortis. 2019 wurden sie zum ersten Mal geerntet, es entstanden 600 Flaschen Wein. Diesen könnt ihr hier oder auch im Tourismusamt von Almere kaufen.

Mein stylishes Ferienhaus war wunderschön eingerichtet, mit schwarz-weiß Bildern, Designerlampen und alten Kameras. Auch fand ich darin Spiele für gemütliche Abende beim Schein der Teelichter und einem Glas Wein.

Bed and Breakfast AlmereEin weiteres Highlight war der Pool mit Loungeecke. Es muss so schön sein, im Sommer dort ein Sonnenbad zu nehmen, ein Buch zu lesen oder sich im Wasser abzukühlen.

vegane Unterkunft AlmereMorgens setzte ich mich in einen der Stühle vor dem Container, denn hier servierte Barry mir mein veganes Frühstück. Toll angerichtet und einfach nur lecker! Es gab eine Tortilla mit grünem Spargel, Kokosjoghurt mit Granola und einen gesunden Smoothie.

Im Stadtteil Almere-Oosterwold entwerfen die Bewohner ihre Häuser übrigens selber, bauen etwas an (Stichwort: Urban Gardening) und führen ein Geschäft. Bis auf 15.000 Wohneinheiten soll das Gebiet im Laufe der Zeit anwachsen.

3) Fischerdorf Urk – ein charmantes Highlight in Flevoland

Fischerort Urk in FlevolandMögt ihr Fischerorte auch so gerne? Urk ist eine ehemalige Insel, die jetzt zu Flevoland gehört. Die Einwohner tragen spezielle Trachten und sprechen einen eigenen Dialekt.

Mein Auto parkte ich auf dem großen, kostenlosen Parkplatz am Hafen. Von dort aus waren es nur wenige Schritte bis zu meiner Unterkunft, zum Restaurant beim Leuchtturm oder zum Schiff für meine Rundtour.

Sonnenaufgang in UrkMein Tipp: Zu Sonnenuntergang und -aufgang ist die Stadt besonders schön. Abends ging ich zum kleinen Strand mit Blick auf den Leuchtturm. Morgens lief ich vorbei an den Häusern mit ihren maritimen Dekoelementen, während das Morgenlicht durch die Gassen flutete.

3.1) Schiffstour übers IJsselmeer

Schiffstour in UrkEinen tollen Eindruck vom Ort bekommt ihr bei einer Schiffstour. Auch an diesem Tag war es sonnig und warm, so dass ich mit der kleinen Gruppe anderer Passagiere an Deck des restaurierten Fischerboots von 1932 saß. Mit dem “Kotter” UK 141 Jacob ging es über das IJsselmeer (auch Eisselmeer genannt). Da es ein Binnensee ist, gab es keine Wellen – keine Chance der Seekrankheit!

Wir verließen den Hafen, kamen vorbei an vielen Segelschiffen und schönen kleinen Häusern. Als wir uns etwas entfernten, konnte ich sehr gut den markanten Leuchtturm und die lange Küstenlinie mit dem Deich sehen.

3.2) Maritimes Restaurant “De Kaap” – mit veganem Burger

Restaurant in UrkAls ich das Schiff verließ, lief ich zum Restaurant De Kaap (Wijk 1 5C, Urk) weiter. Hier habt ihr die Wahl, draußen an einem der Tische oder drinnen im gemütlichen Innenraum zu sitzen. Reserviert auf jeden Fall vorab!

Ich nahm draußen auf der Terrasse Platz, mit Blick auf das Wasser. Obwohl vor allem Fisch auf der Karte steht, gibt es auch ein veganes bzw. vegetarisches Gericht als “Chef’s Choice”. Ich aß hier einen genialen Burger: saftig, aromatisch und einfach nur lecker.

3.3) Übernachten im B&B mit Hafenblick

Bed and Breakfast UrkDanach hatte ich es nicht weit bis zu meiner gemütlichen Unterkunft in Familienbetrieb. Sechs Zimmer warten im B&B De Roos (Wijk 1 44, Urk) auf Gäste. Dem Namen der Pension entsprechend fand ich überall im Zimmer hübsche Blumenmuster. Am allerbesten gefiel mir die riesige Badewanne mit Löwenklauen.

Das Frühstück morgens war liebevoll angerichtet. Mit Brötchen, süßem Gebäck und frischen Erdbeeren. Auf dem Bild seht ihr den Balkon, den ihr vom Essraum aus betreten und wo ihr euch hinsetzen könnt. Viele Gäste nutzen ihn, um ein Urlaubsfoto von sich machen zu lassen.

4) Ehemalige Insel Schokland (UNESCO Weltkulturerbe)

Schokland UNESCO Weltkulturerbe in FlevolandEine weitere ehemalige Insel ist Schokland. Hier besuchte ich das Museum Schokland (Middelbuurt 3). Als ich dort war, gab es gerade draußen einen Kunstrundgang. Auf meinem Spaziergang konnte ich schon mal von außen einen Blick auf den alten Siedlungshügel werfen und machte immer wieder einen Stopp bei einem der Kunstwerke.

Schokland drohte immer wieder überschwemmt zu werden, es herrschte Armut. Die Insel wurde deshalb 1859 geräumt und die 650 Bewohner siedelten um. Seit 1942 ist die ehemalige Insel ganz von Land umgeben. Zu erkennen sind noch der alte Hafen, der Leuchtturm oder die Kirche. Über 160 archäologische Fundstellen zeigen die Geschichte und Kultur – bis zu 10.000 Jahre zurück.

An der Kasse erhielt ich einen Übersichtsplan. Damit lief ich durch die Ausstellungsräume des Museums sowie den Außenbereich. Ich entdeckte etwa einen Sandsteinsarkophag aus dem 12. Jahrhundert, eine Hochwasserkanone, Anker, Boje oder den Wasserstand der Sturmflut von 1825 und 1916.

Das schöne Wetter genoss ich schließlich noch bei einem Mittagessen auf einem der Außenplätze des Museumsrestaurants.

5) Waterloopbos mit seinen Wasser-Wunderwerken

Waterloopbos in FlevolandHabt ihr euch schon mal gefragt, wie die Riesenhäfen von Rotterdam, Bangkok oder Tokio entwickelt und getestet wurden? Im Freiluftlabor Waterloopbos könnt ihr das sehen.

Es ist ein riesiges Gelände mit verschiedenen Routen, die ihr zu Fuß erkunden könnt. Dabei stoßt ihr immer wieder auf die Überreste von 35 maßstabsgetreuen Modellen. Sie dienten in den 50er und 60er Jahren zu Tests für Wasserwerke im In- und Ausland. Wie gefällt euch etwa das Modell der Deltawerke?

Ich war auf der gut ausgeschilderten Havenroute (3 Kilometer lang) unterwegs. Dabei nahm ich mir Zeit, die Natur zu genießen und immer wieder Fotos zu machen. Ich mochte den Kontrast von Seerosenteichen, Waldwegen und Bäumen zu den Schleusen oder Wehren, die teilweise überwuchert waren. Viele Besucher waren mit Familie oder Hunden unterwegs, der Parkplatz war übrigens kostenfrei.

Mein Fazit zu Flevoland

Mir hat die Region sehr gefallen – als Fan von entspannten Roadtrips, Wasser, weiter Landschaft und moderner Architektur. Mit dem Auto kam ich leicht zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten und Highlights. Und dabei entdeckte ich einige Überraschungen, wie etwa unten den Riesenkopf in Lelystad. Als Veganerin fand ich immer etwas Leckeres zu essen, in schönen Restaurants und Cafés. Auch meine Unterkünfte waren toll. Perfekt also für einen Kurzurlaub oder einen Ausflug ab Amsterdam!

Wart ihr schon mal in Flevoland?

Land art in FlevolandVielen Dank für die Einladung an Visit Flevoland! Auf der Website findet ihr viele weitere Infos und Reisetipps. 

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Anja Beckmann

Blogger bei Travel on Toast
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