Indien: Rundreise durch Rajasthan

elefant in RajasthanBeitrag von Pia Kleine Wieskamp. Indien ist die bevölkerungsreichste und größte Demokratie der Welt und gleichzeitig ein Land, in dem moderne Gegenwart und jahrtausende alte Bräuche parallel nebeneinander gelebt werden. Beispielweise erlebte ich mitten auf dem Land – quasi im Nirgendwo – einen Kuhhirten mit jeweils einem Smartphone in jeder Hand. Dies lässt mich während unserer Rundreise durch Rajasthan immer wieder staunen. Indien ist das Land der Gegensätze.

TuktukIm Februar 2012 legte ich in drei Wochen über 3.000 Kilometer in Indien per Auto, Bahn, Tuk Tuk, Bus, Anhalter, Motorrad und Rikscha zurück. Ich teile meinen Indien Reisebericht in zwei Teile: Die Rundreise mit Fahrer und einem Mietwagen durch Rajsasthan beschreibt die ersten 12 Tage der Indien Reise. Im zweiten Blogbericht beschreibe ich den zweiten Teil der Reise, als Alleinreisende.

GwalorMeine Stationen des ersten Teils meiner Indien Rundreise waren folgende:

  • Delhi
  • Agra
  • Ranthambore
  • Jaipur
  • Pushkar
  • Udaipur
  • Chittorgarh
  • Jojapur
  • Ranakpur
  • Jodhpur
  • Jaisalmer
  • Bikaner
  • Mandawa
  • und wieder zum Ausgangspunkt Delhi.

Der erste Eindruck war ein Kulturschock. Nach und nach akklimatisierte ich mich und im Nachhinein finde ich die Eindrücke, Erlebnisse und die Gedanken und Fragen, die Indien ausgelöst hat, nachhaltig und anhaltend positiv.

Varanasi-dreckWenn man mich fragt, wie ich Indien finde – vielmehr diesen kleinen Teil Nordindiens, den ich bereiste, kann ich nicht behaupten, jemals gesagt zu haben: Es ist schön! Es gibt schöne Bauten dort, schöne Natur, schöne Menschen, leckeres Essen usw. – aber Indien ist nicht schön.

Dafür gibt es zuviel Beigeschmack, Schmutz und Armut. Indien ist intensiv – so habe ich es zumindest empfunden. Wie sagte Hermann Hesse:
 „Wer einmal nicht nur mit den Augen, sondern mit der Seele in Indien gewesen ist, dem bleibt es ein Heimwehland.“

SchulkinderDelhi, eine Millionenstadt
Delhi ist zunächst einmal ein Kulturschock. Mag sein, dass ich nach dem Flug über Doha müde war. Die Fahrt vom Flughafen mit der ultramodernen U-Bahn war noch ok, doch dann stand ich am Bahnhof zwischen Bettlern, Kühen, Polizisten mit Schlagstöcken, Dreck und einem sehr unfeinen Geruch.

Tja, das zuvor gebuchte Hotel sollte nur rund einen Kilometer entfernt sein – jedoch nach einigen Versuchen, die richtige Richtung zu finden, gab ich es auf und meine Freundin und ich nahmen eine Rikscha zum Hotel.

Nach einer Dusche und einer Stadtrundfahrt ging es dann schon besser: Wir besuchten in der kontrastreichen Hauptstadt u. a. das India Gate, die Freitagsmoschee und die Mahatma Gandhi Gedenkstätte Raj Ghat. Schnell entdeckte ich die Streifenhörnchen als „Indische Spatzen“, die mich noch während der gesamten Reise begleiten sollten. :-)

Tags drauf fuhren wir mit einem Mietwagen und dem weltbesten Fahrer in die jahrtausendealte Stadt Agra. Für die 200 Kilometer „Schnellstraße“ brauchten wir über fünf Stunden. Am Straßenrand sahen wir Frauen, die Kuhdung zu Brennmaterial weiterverarbeiteten und trockneten, Frauen, die schwere Straßenbauarbeiten machten, bettelnde Kinder und elende Armut.

Agra-T-MahalIn Agra gibt es neben dem weltbekannten Taj Mahal – ein Denkmal der Liebe – auch das Rote Fort, eine der größten Befestigungsanlagen der Welt.

Von Agra ging es weiter nach Fatehpur Sikri, der verlassenen Kaiserstadt mit dem beeindruckenden Siegestor, das mit seinen 53 Metern das höchste Portal Indiens ist. Von dort aus ging die Fahrt über einen Besuch der Geisterstadt des Großmoguls und der Tempel in Bhubaneshwar weiter nach Jaipur.

Nur rund 30 Minuten vom Taj Mahal entfernt liegt Fatehpur Sikri, die rund 400 Jahre alte orientalische Geisterstadt von ganz besonderem Reiz. Die Geisterstadt besteht aus Sandsteinpalästen mit Haremsanlagen in der Felswüste bei Agra.

Reisen wie eine Prinzessin
Auf nach Jaipur. Das Reisen in dem Wagen mit Fahrer stellt sich als sehr angenehm heraus, da unser Fahrer Shari ein netter, witziger und angenehmer Zeitgenosse ist. Er hat Angst, dass ich und meine Freundin – so selbstständig wie wir sind – verloren gehen. So macht er es sich zur Gewohnheit, sich abends in den Hotels zu erkundigen, ob „die Ladies“ auch heil angekommen sind. Dies bemerke ich, nachdem ich in der Hotelhalle mit WLAN bestückt E-Mails schreibe und ihn bei seiner Nachfrage beobachte. Seit dem nennen wir ihn liebevoll „Papa“.

Affentempel-WasserBevor wir Jaipur erobern, besuchen wir den Monkey Temple (Galwar Bagh) bei Jaipur. Nur mal so zur Info: Affen können ganz schön diebisch sein und man sollte ihnen und ihren Zähnen aus dem Weg gehen.

Palast-Der-WindeJaipur wird auch Pink City genannt
Den Beinamen „Rosa Stadt“ erhielt Jaipur anläßlich eines Besuchs des Prinzen von Wales im Jahr 1853.

 Der damalige Herrscher bestimmte, die ganze Stadt rosa zu streichen, um den königlichen Gast zu begrüßen.

Den Besuch der Festung Amber sollte niemand verpassen. Ich fühle mich hier wie in einem alten Film mit Maharadschas, Tigern, Tempeltänzerinnen und Elefanten. Von hier aus hat man einen sagenhaften Blick ins Umland. Die bemalten Elefanten laden zu einem Ritt ein.

Zu den Höhepunkten der Stadtbesichtigung am Nachmittag zählen der Palast der Winde mit seiner sagenhaften Fassade, das Freiluftobservatorium Jantar Mantar und der Stadtpalast, der bis heute teilweise von der königlichen Familie bewohnt wird.

MarkttagIn Jaipur faszinieren uns die bunten Basare der Altstadt und Gewürzhändler. Alleine die Farbenpracht gemischt mit dem ein Potpourri verschiedenster Gerüche ist ein Erlebnis.

KameleUnsere Rundreise setzt sich nach Pushkar fort: ein eher kleiner Ort. Für die Hindus ist es einer der heiligsten Orte Indiens. Am See wird man fast von Brahmanen genötigt, eine Zeremonie durchführen zu lassen, die einen von seinen Sünden reinwaschen soll. Nichts für mich angesichts des dreckigen Wassers. Ich schaute mir leiber das bunte Treiben einer Hochzeit oder dösende Kamele an.

Schuhe-vor-TempelSchuhe ausziehen ist fast überall notwendig: Also bitte Schuhe ohne Schnürsenkel anziehen, das geht schneller. In kalten Monaten sollte man Socken mitnehmen, denn die Steinböden können sehr frostig sein.

Marmor-Jani-tempelWeiterreise nach Jodphur, die Stadt mit dem auf einem Bergrücken liegende Fort Mehrangarh. Dieses majestätische Fort macht seinem Namen all Ehre. Es steht auf einem 125 Meter hohen Hügel und gehört zu den beeindruckendsten Bauten Rajasthans. Nicht weit entfernt liegen die Jain Tempel von Ranakpur.

Blaue-StadtUnd wieder schlägt mein Bildhauerherz höher. 
Rund 80 Kilometer nordwestlich von Udaipur entstand nach einer 60-jährigen Bauzeit im 15. Jahrhundert eine der aufwendigsten und schönsten Tempelanlage von ganz Rajasthan.
 Kunstliebhaber aus der ganzen Welt strömen zu diesem architektonischen Meisterwerk, um diesen reich verzierten Tempelkomplex mit seiner surrealen Schönheit zu besuchen.

Blue-CityMit unglaublichen 24 Säulenhallen und einer Gesamtfäche von fast 4.000 Quadratmetern wird der Gesamtkomplex des Adinatha-Tempels von 1.440 Säulen getragen. Die Atmosphäre dieses lebendigen Tempels hält einen noch lang gefangen und es lohnt sich, dieses Bauwerk in Ruhe auf sich wirken zu lassen.
 Ebenfalls zur Tempelgruppe von Ranakpur gehören der Surya-Narayana-Tempel und der Parshvanatha-Tempel.

Udaipur ist während einer Rundreise durch Indien bestimmt eine der schönsten Städte Rajasthans.
 Durch die künstlich angelegten Seen wird Udaipur auch Stadt der Seen genannt. Diese sind der Pichola See aus dem 13. Jahrhundert, in dem die Inselpaläste Jag Mandir und Jag Niwas mit dem Lake Palace Hotel liegen, der Rang See, der Swaroop See und der Fateh See mit seinem Nehru-Insel-Park.

Meine Freundin und ich genießen diese kleine Stadt am Fluss und See. Hier lässt es sich gemütlich, ohne den Verkehrschaos der Großdtadt, umherstreichen. Abends besuchten wir in Udaipur u. a. eine Marionetten-Tanzveranstaltung und aßen köstliche Thalis.

Indien ThaliDas Land der Gewürze
Als Thali wird in der indischen Küche eine „Platte“ bezeichnet, die aus verschiedenen, regional unterschiedlichen Bestandteilen zusammengestellt wird. Thalis bestehen meist aus kleinen Metallschälchen, die Gemüse, Fleisch oder kleinere Beilagen enthalten, die auf einem runden Tablett, das ebenfalls Thali genannt wird, mit Reis und Fladenbrot serviert werden. In manchen Restaurants werden bei einem Einheitspreis die Schälchen beliebig oft nachgefüllt – einen Art All-you-can-eat-Thali.

Als Getränk gab es oft King Fishers – ein vorzügliches indisches Bier – oder Ingwer-Tee. Den Kaffee konnte ich in Indien nicht wirklich genießen, da er oft auch mit Ingwerwasser aufgebrüht wurde oder ein wässrige Brühe aus löslichem Kaffeepulver war.

Weiterfahrt in die Wüste. Der Ort Jaisalmer liegt nahe der Grenze zu Pakistan. Vor hier aus kann man mehrtägige Wüstentouren mit Kamelen buchen. Die Stadt wird aufgrund seiner gelbbraunem Sandsteinbauten auch die „goldene Stadt“ genannt. Das Jaisalmer Fort gehört zu den größten Festungen der Welt. Das im 12. Jahrhundert erbaute, mächtige Bauwerk erhebt sich auf einem Hügel der Stadt.

RattentempelNicht gerade mein persönliches Highlight stellt sich der Rattentempel heraus. Der Karni-Mata-Tempel befindet sich in der kleinen Stadt Deshnok etwa 30 Kilometer südlich von Bikaner.

RattenDieser hinduistische Tempel ist über die Grenzen von Indien hinaus vor allem als heiliger Rattentempel bekannt. Nach groben Schätzungen leben etwa 20.000 Ratten in dem Tempel. Zur Verdeutlichung sollte gesagt werden, dass dieser Tempel nicht mit Schuhen betreten werden darf.

Bikaner ist unsere nächste Reisestation. Durch die strategisch günstige Lage an den alten Karawanenrouten nach Zentralasien wurde Bikaner in der Vergangenheit zu einer sehr wohhlhabenden Stadt.
 Die Altstadt mit dem alles überragenden Junagarh Fort, gleichzeitig dem Stadtpalast, ist von einer sieben Kilometer langen Mauer mit fünf Eingangstoren umrahmt. Burgen und Schlösser wurden hier aus rötlich-rosanem Sandstein erschaffen.
 Es zeigt die riesigen Ausmaße der Anlage.

Mandawa ist bei Rundreisen durch Indien ein beliebter Zwischenstopp zwischen Bikaner und Jaipur.

 Das Zentrum von Mandawa ist der Palast, in den großen Torbögen befinden sich Fresken von Lord Krishna und Kühen. Hier wohnten wir in einem ehemaligen Kaufmannshaus (Haveli) in einem schönen Ambiente. Weg von den Hauptwegen besuchten wir eine Schule. Dort saßen die Kinder auf dem Boden, ohne Tische, Stühle, Papier oder weitere Hilfmittel.
 Von unserem Fahrer erfuhren wir, dass es „Bildung“ nur in Privatschulen geben.

Von hier aus fahren wir zurück nach Dehli und ich reiste alleine – ohne Freundin und Fahrer – weiter. Doch diesen Teil meiner Reise erzähle ich in einem weiteren Blogartikel.

SonnnenuntergangMein Fazit
Noch einmal einige Nachteile Indiens als Reiseland: Armut, Dreck, fehlende Menschenwürde, Geruchsbelästigung usw. Häufig ist man gezwungen, zwischen Kamelkot, Latrinenprodukten und Hausabfällen hindurchtapsen. Abfälle scheinen auch häufig die Grundnahrung vieler Haustiere zu sein. Und trotzdem liegen in diesem Land ein Reiz, eine Fülle und wahnsinnig viele tolle Erlebnisse.

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Anja Beckmann

Reiseblogger bei Travel on Toast
Erst war ich ein Jahr auf Weltreise, heute bin ich hauptberufliche Reisebloggerin. Am liebsten reise ich mit Freund Carsten und Hund Buddy, mit denen ich im Rheinland lebe. Ob nah oder fern, Städte, Strände, Roadtrips oder vegetarisches Essen - ich bringe euch im Blog zum Träumen, gebe praktische Hinweise und Geheimtipps. Über Instagram Stories nehme ich euch live mit.

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14 Kommentare

  • Antworten
    Marc
    17. Juni 2016 um 12:11

    Hallo Pia,
    Indien ist schon ein spezielles Land, aber auf jeden Fall eine Reise wert. Wir hatten eine ähnliche Route gewählt und es war mein erster Indien-Urlaub. Rajasthan meiner Meinung nach ein guter Einstieg :)

    • Antworten
      Anja Beckmann
      19. Juni 2016 um 10:01

      Hallo Marc,

      ja, mir hat Rajasthan zum Einstieg auch gut gefallen!

      Viele Grüße
      Anja

  • Antworten
    Franz
    10. Juni 2016 um 18:14

    Schöner Reisebericht, macht Lust, sofort wieder loszufahren! Ich war im letzten Jahr im Süden Indiens (Goa, Karnataka) mit einem Mietwagen als Selbstfahrer unterwegs. Wünsche allzeit gute Reise!

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