Woran denkt ihr bei Frankreich? An Lavendelfelder, Strände und gutes Essen? Oder an schöne Autos? Mit einem Citroën 2CV von 1972 und zwei anderen Frauen starte ich einen Roadtrip durch Provence und Côte d’Azur. Dabei werden Erinnerungen wach…
Mein allererstes Reiseland war Frankreich. Meine Mutter war in ihrer Jugend Au Pair Mädchen hier. Sie liebte das Land ebenso sehr wie mein Vater, beide waren Lehrer.
Also ging es in allen Schulferien mit Auto und Campingwagen nach Frankreich. Ich erinnere mich an das erste Mal Windsurfen bei Avignon in der Provence oder Flamingos und wilde Pferde bei Saintes-Maries-de-la-Mer.
Besonders schön war in der Provence die Aprikosenplantage von Marie und Paul, Freunden meiner Eltern. Dort saßen wir abends zu mehrgängigen Essen zusammen. Kein Wunder, dass ich seit dieser Zeit das Reisen und Speisen liebe.
Seitdem ich 15 Jahre alt bin, bin ich außerdem im Sixtiesfieber: Ich sammele die Kleider, fahre Motorroller und habe meine Wohnung im Space Age Design eingerichtet. Einer meiner Lieblingsfilme: “La piscine” mit Alain Delon und Romy Schneider (beide wunderschön).
Als ich 21 war, zog ich mit meinem Freund Carsten auf unseren Rollern los: er auf einer Lambretta, ich auf einer Vespa. Wir nahmen den Weg durch Frankreich nach Italien, fuhren erst an der Côte d’Azur und dann an der Riviera entlang.
Die Staße am Meer war fantastisch: Der Fahrtwind pustete mir in die Haare, das Meer glitzerte und die Sonne schien.
Unser Plan, in Nizza zu zelten, scheiterte allerdings: Es war in der Hochsaison auf keinem Campingplatz mehr ein Platz frei. Also breiteten wir unsere Isomatten auf einem Parkplatz aus. Die Gendarmerie, die zufällig vorbei kam, hatte Mitleid mit uns. So durften wir bis zum nächsten Morgen dort bleiben.
Jetzt also: Zwei Tage Frankreich mit einem schnuckeligen Oldtimer – très bien! Wir sind zu dritt, ich reise mit Elke (Meerblog) und Meike (Meikemeilen). Deshalb findet ihr auf den Social Media Kanälen unsere Bilder unter #3en2cv.
Voller Vorfreude sitze ich im Flieger. Von Düsseldorf aus geht es mit Air France nach Paris und dann weiter nach Marseille. Unser endglültiges Ziel ist die Region Var, zwischen Marseille und Nizza gelegen – hier trifft die Provence auf die Côte d’Azur.
Nach unserer Ankunft in Marseille fahren wir 1,5 Stunden Richtung Nizza, nach Besse sur Issole. Hier übernachten wir im “Les Pierres Sauvages”. Hier gibt es auch Lavendel, typisch für die Provence.
Das charmante Chambre d’hôtes (eine Art Bed & Breakfast) nahe der Weinberge hat 5 Zimmer und einen kleinen Pool.
Abends essen wir beim „Table d’hôtes“ (Abendessen mit den Gastgebern) draußen am großen Tisch: Paprikaquiche, Lamm vom Grill, Ziegenkäse mit Feigenmarmelade und Kirschauflauf. Ich möchte nie mehr weg aus der Provence!
Besitzerin Gabrielle leiht uns am nächsten Tag eine der beiden Enten der Familie für eine Fahrt durch die Provence aus. Sie heißt Titine – das bedeutet so viel wie “Schnuckelchen” – und sie wurde 1972 gebaut. “Dabei hat sie nur 30.000 Kilometer auf dem Tacho, sie ist wie neu”, lacht Gabrielle.
Ihr Mann Gilles hat sie ihr vor vier Jahren geschenkt. Sie haben auch eine Ente in grau-rot von 1987, sie heißt Dolly.
Gäste von Gabrielle und Gilles können die Autos ausleihen und damit allein auf Tour durch die Provence gehen. 1/2 Tag kostet 60 Euro, 1 Tag 105 Euro. Wer möchte, kann zusätzlich noch ein Picknick mitnehmen.
Ich fahre zum ersten Mal selber Ente. Auf der Fahrt habe ich bisher nur hinten gesessen, das war mit 1,80 Metern ziemlich eng. Vorne habe ich erstaunlich viel Platz für meine Beine, allerdings spürte ich die Knie von Gabrielle im Rücken.
Das Metalllenkrad ist kühl und ziemlich schwergängig. Schwierig finde ich anfangs die Gangschaltung mit fünf Gängen, auch wenn es beim Tachometer dazu eine Skizze gibt. Ich betätige sie per Hand neben dem Lenkrad. Der 1. Gang liegt etwa links hinten, der 2. Gang rechts vorne.
Die Ente ist ziemlich laut für die niedrige Geschwindigkeit. Ich fahre maximal 50 Stundenkilometer auf der kurvigen Straße – mit Ausblick auf Wälder und das Meer. Immerhin überhole ich ein paar Radfahrer. “Die Ente schafft 110 Stundenkilometer, auf gerader Strecke mit Rückenwind”, so Gabrielle. Stolze 8 bis 10 Liter verbraucht sie pro 100 Kilometer.
Titine schaukelt beruhigend wie ein Kinderwagen. Während ich am Anfang noch etwas verkrampft die enge, gewundene Straße entlangfahre, entspanne ich mich bald. Gelbe Blumen blühen am Rand, Schmetterlinge fliegen herum und es riecht nach Kiefern. Die Sonne scheint und der Himmel über dem offenen Dach ist blau. Life is good!
Der Blinker klackert laut beim Abbiegen. Das Schöne: Wenn Leute die Ente sehen, lächeln sie meist. Das rundliche Gefährt ist einfach zum Knutschen.
Wir machen einen Stopp im Örtchen Bormes-les-Mimosas, es liegt malerisch am Hügel.
Hier besuchen wir die Hutmacherin Nathalie in ihrem Geschäft “Les Bibis du Midi”. Elke, Meike und ich probiere verschiedene Hüte auf. Ich mag die ganz großen, Elke kauft sich schließlich einen sommerbunten Hut und Meike ein Kopfband.
Nach einem Mittagessen im schönen Bistro “Le Maurin des Maures” geht es an den Strand, den Plage du Pellegrin. Der Sand ist richtig warm, das Mittelmeer dagegen schön kühl. Die Region Var hat 400 Kilometer Küste, 250 davon kann man sich erlaufen.
Am Plage de l’Almanarre sind bei Wellengang Kitesurfer zu finden. Wir schauen dort bei Sonnenuntergang nach Flamingos, im September waren hier 3.000 zu sehen. Vor uns verstecken sie sich leider.
Am nächsten Tag fahren wir zum Weingut Domaine Gasqui, dieses Mal mit beiden Enten. Gilles steuert Dolly mit Meike auf dem Beifahrersitz, ich fahre mit Elke in Titine mit.
Wir essen draußen, das ist so richtig schön. Dazu trinken wir einen Roséwein, der ist typisch für die Provence.
Dann stoppen wir noch bei der Abtei Abbaye du Thoronet, der Himmel zieht sich immer mehr zu. Schon als wir durch die alten Gemäuer wandern, fallen die ersten Regentropfen. Zurück bei den Wagen, rollen wir schnell die Faltdächer hoch.
Meike fährt mit Gilles voran, wir folgen. Bald wird der Regen so heftig, dass wir nur noch mit Not Dollys Rücklichter sehen. Schließlich geht gar nichts mehr, wir halten am Seitenstreifen an. Dann kommt der Hagel und hier und da wird es nass in Titine. “Ganz dicht sind Enten nie”, so Elke, die jahrelang selbst Ente gefahren ist.
Gilles kommt zu uns zurück. “Stimmt etwas nicht mit dem Auto?”, fragt er uns. “Äh, nein. Aber der Regen?” Das Wetter beunruhigt ihn nicht. “Wenn es in der Provence regnet, dann so richtig”, wird uns Gabrielle später erzählen.
Wir vertrauen Gilles und fahren weiter durch den Regen, ab und zu auch durch tiefe Pfützen. Schließlich kommen wir bei unserer Pension an. Wir nehmen Abschied von den beiden Enten und der Provence. Au revoir!
Mein Fazit
Provence und Côte d’Azur mit der Ente zu erkunden ist genial – zumindest bei schönem Wetter. Die Ente ist ein rundum sympathisches Fortbewegungsmittel und mit offenem Faltdach vermittelt sie ein nostalgisches Cabriogefühl.
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Hinweis
Das französische Fremdenverkehrsamt Atout France und Visit Var haben mich zu dieser Reise durch Provence und Côte d’Azur eingeladen. Vielen Dank dafür!
Anja Beckmann
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